Karim Dabbouz
kd.

An Exceptionally Simple Theory of 00000000000000000021e800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a

Das Bitcoin-Netzwerk führt jede Sekunde rund 39 Trilliarden Berechnungen durch. Alle zehn Minuten findet es einen Hash, der einen neuen Bitcoin-Block und damit eine Reihe an Transaktionen im Netzwerk verifiziert. Aufgrund der enormen Rechenleistung ist es für einen einzelnen Akteur praktisch unmöglich, das Netzwerk zu überlisten. Er bräuchte mehr als die Hälfte der gesamten Rechenleistung des Netzwerks.

Und doch gibt es da nun diesen Hash. 00000000000000000021E800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a lautet er. Wie alle Hashes im Bitcoin-Netzwerk hat er eine fest definierte Anzahl an Stellen und war nach etwa zehn Minuten erzeugt. Pausenlos arbeiten die Computer im Bitcoin-Netzwerk daran, einen passenden Hash zu finden und damit ein mathematisches Rätsel zu lösen. So kompliziert das Gesamtsystem Bitcoin auch ist, die Suche nach einem passenden Hash ist ziemlich simpel. Die Computer im Netzwerk probieren einfach jede mögliche Kombination aus, bis ein passender Hash gefunden ist.

Das Bitcoinprotokoll stellt den Teilnehmern also eine ganz gängige Aufgabe aus der Kryptographie, eine sogenannte Falltürfunktion. Falltür deshalb, weil die Berechnung in eine Richtung sehr leicht, die Umkehrung der Funktion aber nahezu unmöglich ist. Deshalb ist es auch unmöglich, einen Hash vorherzusagen oder einen Hash nach einem bestimmten Muster zu erzeugen, das für den Menschen eine Bedeutung hat. „00000000000000000000000000000BitcoinIsCool“ zum Beispiel. Das aber soll am 19.06.2018 geschehen sein.

Losgetreten hatte die Geschichte ein Twitternutzer, der kurz nach Propagation des Blocks einen Tweet absetzte, der nur ein einziges Wort beinhaltete: 00000000000000000021E800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a. Ein anderer Twitternutzer, der schon vorher die Aufmerksamkeit durch seltsam kryptische Tweets auf sich zog, sprang auf den Zug auf. In etlichen aufeinanderfolgenden Tweets, in denen er sich teilweise selbst zitierte, kommentierte er den Hash. Die Geschichte um den mysteriösen Block-Hash machte schnell die Runde.

Was ist so besonders an 00000000000000000021e800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a?

Der mysteriöse Block-Hash ist deshalb mysteriös, weil er eine ganz bestimmte Zeichenfolge enthält: 21e8. Darüber hinaus hat er angeblich Ähnlichkeit mit dem Hash des sogenannten Genesisblocks. Das ist der erste Block der Bitcoin-Blockchain, auf den alle anderen bis heute verifizierten Blöcke und damit alle bis heute getätigten Transaktionen aufbauen. Erzeugt wurde er vom Erfinder von Bitcoin, einem Menschen oder Kollektiv mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Bis heute weiß niemand, wer oder was Satoshi Nakamoto ist. Wir wissen zwar, dass das originale Whitepaper zuerst in einer Mailingliste auftauchte und wann dies geschah; auch in Foren war Satoshi Nakamoto anfangs aktiv. Die Identität wurde aber nie aufgedeckt.

An Exceptionally Simple Theory

Die Zeichenfolge 21e8 hat einen Bezug zur E8-Theorie, einer sogenannten einheitlichen Feldtheorie. Einheitliche Feldtheorien sind, salopp gesprochen, Weltformeln, die das Universum in einer einzigen mathematischen Formel zusammenfassen. Neben der „Exceptionally Simple Theory of Everything“ gibt es einige weitere Ansätze. Zur E8-Theorie gibt es zudem eine Website unter der Domain 21e8.com, die bis vor kurzem die Ausdehnung des Universums visualisierte. Seit 00000000000000000021e800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a zeigt sie das Logo von Bitcoin, eingebettet in ein Netz von Kanten und Knoten, das sich ständig bewegt.

Die Wahrscheinlichkeiten

Angenommen, jemand möchte die Zeichenfolge „21e8“ in einem Hash der Bitcoin-Blockchain unterbringen: Wie viel Rechenleistung bräuchte er dafür? Jemand hat berechnet, dass ein Computer mit einer Leistung von nur 2,5% des gesamten Bitcoin-Netzwerks 2500 Jahre lang arbeiten müsste, um gezielt diesen Hash zu erzeugen. Damit ein Hash aber erfolgreich in der Blockchain platziert werden kann, muss er in unter zehn Minuten erzeugt sein. Rein mathematisch-technisch ist es also unmöglich, gezielt einen Hash mit einer fest definierten Folge von nur vier Zeichen zu erzeugen. Es sei denn, man verfügt über Möglichkeiten, die der Menschheit bisher unbekannt sind oder man hat eine Hintertür in Bitcoin eingebaut, die über fast zehn Jahre unentdeckt blieb. Dies spräche dafür, dass Satoshi Nakamoto uns ein Zeichen geben will oder sich einen Scherz erlaubt.

Um die Aufregung über diesen Hash nachzuvollziehen, lohnt ein Blick auf gängige Theorien zu Satoshi Nakamoto. Wer ist der Erfinder von Bitcoin? Die naheliegendste ist, dass es sich um eine Person handelt, die profundes Wissen in Kryptografie hat und zudem über enorme Disziplin verfügt oder inzwischen verstorben ist. Viele halten Hal Finney für Satoshi Nakamoto. Er war einer der frühesten aktiven Entwickler von Bitcoin und führte regelmäßig Korrespondenz mit Satoshi. Leider starb er 2014 nach mehrjähriger Krankheit. Etwas unwahrscheinlicher ist, dass eine Gruppe an Menschen hinter Bitcoin steckt. Das ergibt sich allein aus den Anforderungen an die Geheimhaltung. Inzwischen ist eine ganze Industrie rund um Blockchaintechnologie gewachsen. Je höher die Anzahl an Mitwissern, desto wahrscheinlicher ist, dass jemand seine Beteiligung preisgibt. Wer immer hinter Bitcoin steckt – er oder sie muss über eine eiserne Disziplin verfügen.

Bitcoin erweckt den Eindruck höherer Intelligenz

Der mysteriöse Hash beflügelt die Phantasie derjenigen, die Bitcoin für mehr als eine Erfindung eines engagierten Menschen oder einer Gruppe halten. Was, wenn Bitcoin mehr als digitales Geld ist? Was, wenn jemand die Menschen auf den „rechten Pfad“ bringen wollte? Was, wenn Bitcoin von einer höherentwickelten Intelligenz stammt oder aus der Zukunft? Ist Bitcoin ein Zeichen an die Menschheit?

Obwohl Blockchaintechnologie nicht viel mehr ist als eine dezentrale Datenbank, beflügelt Bitcoin die Phantasie. Das System ist so durchdacht, dass es seit fast zehn Jahren stabil läuft und sich fortwährend selbst erhält. Es ist eine Mischung aus Kryptographie und Psychologie, die perfekt zum Menschen passt. Sie ist das in Code gefasste Streben nach Wettbewerb – etwas, das fast allen Menschen, unabhängig ihrer Kultur, innewohnt. Bitcoin wirkt nicht wie ein einfaches Netzwerk an Computern, das pausenlos Berechnungen durchführt. Es erweckt den Anschein einer höheren Intelligenz, die genau weiß, welche Knöpfe sie beim Menschen drücken muss, damit diese ihre Ressourcen im Sinne des Netzwerks einsetzen. Klar, dass das Gedanken an CIA, Aliens oder Menschen aus der Zukunft weckt.

Ein ganz normaler Hash

Die Fragen nach dem Ursprung von 00000000000000000021e800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a stellen sich nur, wenn wir davon ausgehen, dass er nicht zufällig entstanden ist. Dass das aller Wahrscheinlichkeit aber doch so ist, legen zwei Umstände nahe:

1. Menschen sind darauf programmiert, Muster zu erkennen. Die Zeichenfolge 21e8 ist solch ein Muster. Zuerst war die Zeichenfolge, dann die Suche nach ihrer Bedeutung.

2. 21e8 kommt öfter vor, als der Hype vermuten lässt, nämlich ca. einmal im Jahr. Und tatsächlich gab es seit dem Start von Bitcoin bereits acht Blöcke mit einem Hash, der genau diese Zeichenfolge enthält.

Wahrscheinlich ist 00000000000000000021e800c1e8df51b22c1588e5a624bea17e9faa34b2dc4a also einfach ein ganz normaler Hash und kein Zeichen von Außerirdischen oder Zeitreisenden.